Inschrift an der Oper Graz (Reproduktion)

Graz, das Nürnberg des Südens

Mit dem Amtsantritt von Bürgermeister Franz Graf fiel 1897 die Entscheidung für den Bau eines neuen Stadttheaters. Der kulturpolitische Antrieb der Stadtregierung war eindeutig: Es sollte eine deutschnationale Weihestätte der Wagner-Pflege werden. In Graz herrschte große Begeisterung für Richard Wagner, die Leitfigur des deutschsprachigen Kultur-Bürgertums. Davon zeugt die Marmortafel auf der Rückseite des heutigen Opernhauses mit den Versen des Hans Sachs aus der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“.

Granit Multicolor mit Blattgold
81,5 × 50,2 × 3 cm (Maßstab 1 : 2)
Leihgeber: GrazMuseum (Auftragswerk 2016)
GrazMuseum / Foto: Arno Friebes

„Die deutscheste Stadt der Monarchie“

Die neue Oper stand in einer Reihe von Grazer Neubauten im neogotischen bzw. „altdeutschen“ Stil, zu denen auch das Landesgericht (1889–1894) und die Erweiterung des Rathauses (1893–1894) gehören. Die Bauprojekte waren Teil einer kulturpolitischen Kampagne zum Aufbau eines „großstädtischen“ und „deutschen“ Rufes. Graz sollte zu den führenden Kulturstädten im deutschsprachigen Raum aufschließen.

Die Gemeindepolitik schrieb ihre deutschnationale Ausrichtung auch durch Straßennamen in den öffentlichen Raum ein. Als „großdeutsche Helden“ und Namensgeber fungierten Friedrich Ludwig Jahn (1870), Richard Wagner (1899) oder Theodor Körner (1899). Graz wurde als „die deutscheste Stadt der Monarchie“ wahrgenommen, wie eine Publikation des Brockhaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermerkte.