Kirschenrummel 1920 Axl Leskoschek, 1955

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Revolte in den Hungerjahren

Um die Lebensmittelversorgung der Familien während und nach dem Ersten Weltkrieg kümmerten sich insbesondere Frauen. Auch nach Ende des Krieges litten die Menschen an Hunger. Am Vormittag des 7. Juni 1920 eskalierte die Situation aufgrund überhöhter Obstpreise am Grazer Kaiser-Josef-Markt. Anfänglich forderten Frauen billigere Lebensmittelpreise, die Proteste weiteten sich rasch aus und richteten sich in der Annenstraße explizit gegen jüdische Geschäfte. Am Abend fielen Schüsse der Sicherheitskräfte. Im Nachhinein als „Kirschenrummel“ verharmlost, starben bei der Niederschlagung der Revolte 13 Personen.

Holzschnitt
Rahmen: 44,5 × 31,5 cm
GrazMuseum

Der Künstler Axl Leskoschek

Axl Leskoschek (1889–1976), nach dem Ersten Weltkrieg überzeugter Sozialist, bekannte sich konsequent zum Realismus – politische Werke sowie Buchillustrationen prägten sein künstlerisches Schaffen. Als Gründungsmitglied der Grazer Sezession 1923 war er maßgeblich daran beteiligt, das moderne Kunstschaffen in Graz zu stärken. Aufgrund seiner politischen Position wurde Leskoschek zweimal verhaftet. Nach dem „Anschluss“ an das „Dritte Reich“ emigrierte er in die Schweiz und 1940/41 weiter nach Brasilien, wo er sich erneut als Illustrator einen Namen machte. 1948 kehrte Leskoschek auf Initiative des Wiener Kulturstadtrats Viktor Matejka nach Österreich zurück. Seiner künstlerischen Anerkennung und öffentlichen Aufträgen standen Anfeindungen aufgrund seiner kommunistischen Gesinnung gegenüber.

Sozialistischer Widerstand gegen die Diktatur

Als Kulturredakteur bei der sozialdemokratischen Zeitung Arbeiterwille und als Mitglied des Republikanischen Schutzbundes war Axl Leskoschek zweimal im Anhaltelager Wöllersdorf interniert: nach den Februarkämpfen 1934 und wegen verbotener politischer Betätigung 1936. Im zweiten Fall wurde er trotz schwerer gesundheitlicher Problemen festgehalten. Auf Druck der englischen Labour Party kam Leskoschek wie andere sozialdemokratische Inhaftierte schließlich frei. In der Zeit seiner Internierung arbeitete er an Aquarellen, allegorischen Arbeiten mit versteckter Kritik am Regime der „Ständestaat“-Diktatur. 1955 schuf Leskoschek aus der Erinnerung den „Zyklus zur Zeitgeschichte“, in dem er Ereignisse der Ersten Republik und der Ständestaat-Diktatur wiedergab, darunter das Blatt „Kirschenrummel“.

Medium des Widerstands

Die Technik des Holzschnitts war in der Zwischenkriegszeit sehr stark verbreitet und wurde als das Medium „linker“ Künstler/-innen angesehen. Der Holzschnitt ermöglicht eine hohe Vervielfältigung und Verbreitung und wurde daher als demokratisches Medium empfunden. Aber auch die dynamische, expressive Formensprache, welche diese Technik fördert, wurde weitgehend mit politisch linken, revolutionären Inhalten in Verbindung gebracht.

Wöllersdorf 1936, Axl Leskoschek, 1955, GrazMuseum © GrazMuseum