Das Wasser der Mur wurde zum Bewässern von Feldern, zum Löschen von Bränden oder – wie hier zu sehen – zum Wäschewaschen verwendet. Im 19. Jahrhundert war dieses noch eine Schwerstarbeit, die Frauen verrichteten. Die Wäsche wurde per Hand geklopft, geschrubbt, ausgeschwemmt, ausgewrungen und über Leinen zum Trocknen gehängt.

Die nach Kaiser Ferdinand I. benannte Kettenbrücke wurde durch Franz Strohmeyer, den Pächter der Überfuhr, und nach Plänen des Wiener Architekten Johann Jäckl errichtet. Sie war die erste Kettenbrücke der Steiermark und die größte Österreichs. An ihrer Stelle befindet sich heute die Keplerbrücke.

Die dem Älteren Bäckerei-Consortium angehörende Rottalmühle mit den zwei hohen Giebeln ist einer jener Betriebe, die vor Einführung der Dampfmaschine ihre Energie aus dem linken Mühlgang bezogen.

Links im Bild liegt ein Floß auf der Mur. Der noch unregulierte Fluss ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch immer ein Verkehrsweg für Personen und Güter.

Die Pruggmeier’sche Hadernstampfe ist eine Papiermühle, also ein Betrieb, in dem Papier aus Pflanzenfasern bzw. Lumpen hergestellt wird. Das so gewonnene Papier wurde unter dem Dach und im Garten zum Trocknen aufgehängt.

Die neuerbaute Kettenbrücke der Hauptstadt Graz – Ansicht vom Schloßberg gegen Westen Conrad Kreuzer, 1836

Frühindustrialisierung – ein Grazer Idyll

Im Vordergrund beherrscht die Beschaulichkeit des Biedermeiers das Bild. Im Mühlgang liegt die Hauptenergiequelle von damals: die Wasserräder der Mühlen. Doch im eigentlichen Zentrum steht das neue Industriezeitalter. 1833 wurde an der Stelle der heutigen Keplerbrücke die erste steirische und damals größte österreichische Kettenbrücke errichtet, die Ferdinand-Kettenbrücke. Um die Fahrbahn zu halten, brauchte es zwei mächtige gemauerte Kettenhäuser beiderseits der Mur. Technischen Meisterleistungen wie dieser ist auch der Ausbau der Bahnstrecken zu verdanken.

Tempera auf Papier
Rahmen: 80 × 106 cm
GrazMuseum / Foto: Edin Prnjavorac

Kaiser-Josef-Kai (Alter Murquai mit Personen-Dampfer), Unbekannt, 1889, GrazMuseum

© GrazMuseum

Übergabe der neuen Keplerbrücke, Unbekannt, 1962/63, Stadtarchiv Graz

© Stadtarchiv Graz

Der Künstler Conrad Kreuzer

Conrad Kreuzer (1810–1861) war ein Landschafts- und Vedutenmaler, Zeichner und Porträtist. Er gehörte zu den bedeutendsten Vertretern des steirischen Biedermeiers und war der Dokumentarist des historisch-topographischen und frühindustriellen Graz vor der beginnenden Urbanisierung im 19. Jahrhundert. Neben Tempera- und Ölmalerei schuf der Künstler auch Buchillustrationen (u. a. Illustrationen zu Gustav Schreiner, „Grätz“, 1843). Ebenso war er als Kunstlehrer tätig. An multipler Sklerose erkrankt, starb Kreuzer im Armen- und Siechenhaus von Graz und wurde am städtischen Steinfeldfriedhof begraben.

Verbindung der Murseiten

1833 wurde die Ferdinands-Kettenbrücke errichtet, um den Lendplatz mit der linken Murseite zu verbinden. 1880 wurde die Kettenbrücke aus Sicherheitsgründen wieder abgerissen und an ihrer Stelle eine Bogenbrücke aus Eisen errichtet. Wie die Kettenbrücke fast fünfzig Jahre davor war auch diese Brücke am höchsten Stand der damaligen Technik. Ihre Besonderheit war der „Langersche Balken“ als Tragkonstruktion. In den 1960er-Jahren konnte die Brücke dem großen Verkehrsaufkommen nicht mehr genügen: Die heutige Keplerbrücke wurde errichtet.

Die Mühlgänge

Die Mur war aufgrund des unregelmäßigen Wasserstandes für das Betreiben von Mühlen ungeeignet. Hierfür dienten vor allem ihre großen Seitenarme: der linksseitige und der rechtsseitige Mühlgang. Der auf dem Gemälde gut erkennbare linksseitige Mühlgang führte von Weinzödl bis zur Keplerbrücke. Um freie Flächen für den Straßen- und Wohnungsbau zu gewinnen, wurde er in den 1970er-Jahren zugeschüttet. Der rechtsseitige, mit 30 Kilometern wesentlich längere Mühlgang existiert noch heute. An den Mühlgängen siedelten sich Getreidemühlen, Sägewerke, Tuch- und Lodenfabriken, Papierfabriken, Eisenwerke und schließlich E-Werke an. Große Betriebe, wie die Papierfabrik Graz, oder der Marienplatz, an dem sich die Marienmühle befand, weisen heute noch auf die frühere Funktion dieser Gebiete hin.

Papier aus der Mühle

Mit der Industrialisierung wuchsen die Städte und der Bedarf an Gütern. Allein die Verwaltungen mit ihrem hohen Papierverbrauch trieben die Massenproduktion in den Fabriken an. Mit der „Pruggmeier’schen Hadernstampfe“ ist im Bild aber noch eine Vorgängerin der modernen Papierproduktion zu sehen: eine Papiermühle, in der Papier aus Pflanzenfasern bzw. Lumpen hergestellt und in großen Räumen unter dem Dach und im Garten zum Trocknen aufgelegt wurde. Das Holz für die Papierherstellung wurde teilweise bis ins 20. Jahrhundert über das Wasser zugestellt.

Der Fluss als Transportweg

Die Mur diente bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als der wichtigste Transportweg. Salz, Eisen, Holz und Kohle wurden vom Norden flussabwärts, Wein wurde aus dem Süden flussaufwärts durch „Treideln“ befördert, also mithilfe von Pferde- und Menschenkraft gezogen. Die Schifffahrt kam nicht zuletzt aufgrund der aufwendigen Instandhaltung dieser „Treppelwege“ gegen Ende des 17. Jahrhunderts zum Erliegen. Der Floß- und Plättenverkehr wurde bis ins 19. Jahrhundert tatkräftig fortgesetzt. Aufgrund des verbesserten Straßen- und insbesondere Eisenbahnnetzes verlagerte sich der Frachtverkehr im 19. Jahrhundert zunehmend von den Wasserwegen auf Straßen und Schienen. Als letzter Bereich blieb der Holztransport auf dem Wasser verhaftet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde auch dieses Geschäft durch die Errichtung von Wasserkraftwerken unattraktiv.

Personenverkehr auf der Mur

Nicht nur Güter, auch Personen wurden auf der Mur befördert. So waren Floßreisen gegen Ende des 18. Jahrhunderts verbreitet. Für Passagierschiffe war der Fluss kaum geeignet, trotzdem kam es zu einigen Versuchen. Im späten 19. Jahrhundert setzte man Dampfschiffe ein. Die ab 1888 auf der Mur durchgeführten Fahrten mit der „Graz“ und der „Styria“ mussten jedoch aufgrund zu vieler Zwischenfälle und sogar Verunglückter bald eingestellt werden.