Kaiser Leopold II. beobachtet von einem Zelt aus die ihm zu Ehren veranstaltete Parade. Als Nachfolger seines Bruders Joseph II. gilt er als letzter aufgeklärter Monarch der Habsburger.

Insgesamt sind drei Korpsverbände auf dem Bild zu sehen. In der Mitte befindet sich das Korps der Kavallerie mit der Dragonerstandarte, links das Korps der Infanterie (Grenadier-Abteilung) und rechts die „Jäger“ mit der Schützen- oder Jägerfahne sowie der dahinter Stadtfahne. Hinter ihnen formiert sich das musikalische Korps mit Trompeten, Oboen und Trommeln.

Oberst Seebacher (links) und Oberstleutnant Dobler (rechts) führen die Parade an. Der Braumeister und Gastwirt Richard Seebacher steht als Kommandant an der Spitze aller Korpsverbände. Der Handelsmann Franz Kaspar Dobler folgt ihm 1792 in dieser Funktion nach. In dieser wird er 1797 Napoleon empfangen.

Bürgerkorps in Paradeausrüstung Unbekannt, um 1790

Bedeutungsverlust der Stadt

Das Gemälde zeigt eine Parade des Grazer Bürgerkorps, abgehalten 1790 für Kaiser Leopold II. Das Grazer Bürgerkorps war aus der mittelalterlichen Bürgerwehr hervorgegangen. Neben den Kriegszügen des Landesfürsten war diese für die städtische Befestigung, Verteidigung und Ordnung verantwortlich gewesen. Maria Theresia zentralisierte diese Funktionen durch stehende Heere. Die Bürgerwehren verloren an Bedeutung und damit die Städte ihre militärische Selbstverwaltung. Lediglich als französische Truppen in den Jahren 1797, 1805 und 1809 Graz besetzten, traten sie abermals hervor, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, Plünderungen zu unterbinden und Zusammenstöße zu verhindern.

Öl auf Leinwand
Rahmen: 79 × 105 cm
GrazMuseum / Foto: Edin Prnjavorac